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Chronik

Klassenzimmer 2

Wiederau besitzt schon seit langem eine Schule.

 

Aus dem Jahre 1617 berichtet der damalige Lehrer, dass nur die Jungen Unterricht hätten. Die Mädchen auf dem Dorf konnten keine Bildung erwerben. Nur in den großen Städten gab es Privatschulen für Mädchen. Der Unterricht für Jungen bestand aus 2 Stunden am Vormittag und 2 Stunden am Nachmittag. Da es sich in Wiederau um eine Kirchschule handelte, wurde der Inhalt des Unterrichts auch von der Kirche bestimmt. Vormittags mussten die Kinder Gebete, den Katechismus und Teile aus der Bibel aufsagen. Am Nachmittag lernten sie schreiben und lesen.

 


Das Schulgeld betrug 2 Groschen für ¼ Jahr. Wer Schreiben und Rechnen lernen wollte, musste dafür zusätzlich 1 Groschen mehr bezahlen. Wie viel Bildung ein Kind erwerben konnte, hing also davon ab, wie viel Schulgeld die Eltern aufbringen konnten. Da es damals noch keine Schulpflicht gab, nahmen viele Kinder im Sommer am Unterricht nicht teil, denn in dieser Zeit mussten sie auf den Feldern und in der häuslichen Wirtschaft mithelfen.

 

Der Lehrer wohnte in der alten Küsterei (an der Stelle, wo heute das Museum sich befindet). Der Unterricht wurde in der Wohnstube des Lehrers abgehalten, die mit einem Ofen, Topfbrett, einem großen Tisch und Bänken ausgestattet war. Der Lehrer lebte sehr bescheiden. Er wurde von den Mitgliedern der Kirchgemeinde bezahlt, und jede Familie musste ihn einmal beköstigen. Er musste auch verschiedene Dienste für die Kirche ausüben (Altar reinigen, Zeiger der Kirchenuhr stellen, singen usw.), wofür er einige Groschen extra verdiente.

 

1702 wurde dem Lehrer noch ein Hilfslehrer zur Seite gestellt.

 

1715 berichtet ein Lehrer über das Schulgeld, dass ein Schulanfänger, der das ABC buchstabieren und lesen lernte, 3 Pfennig in der Woche zu zahlen hatte. Ein Kind, das außerdem noch Schreiben lernte, hatte 6 Pfennig pro Woche zu zahlen. Wer auch in Rechnen und Musik unterrichtet werden wollte, musste zusätzlich Schulgeld bezahlen.

 

1724 wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt, die jedoch nur auf dem Papier stand, da es noch zahlreiche Kinder gab, die gar keine Schule besuchen konnten.

 

Um die immer steigende Zahl der Kinder unterzubringen, erfolgte 1767 ein Anbau zur Vergrößerung der Wohn- und Schulstube. Da der Raum trotzdem noch zu klein war, wurde 1830 die alte Küsterei abgerissen und 1831 an derselben Stelle eine neue Schule gebaut (jetziges Museum). Dort lernten 165 Schüler von Wiederau und 20 vom Göritzhainer Wiederberg. Es gab nur 2 Klassen. Das Schulgeld für die 1. Klasse betrug 9 Pfennig pro Woche und für die 2. Klasse 6 Pfennig. Naturabgaben (Eier, Milch, Korn, usw.) an den Lehrer mussten damit nicht mehr gezahlt werden.

 

Die Anzahl der Schüler betrug 1845 in der 1. Klasse 84 und in der 2. Klasse 118. Damit wurde auch die ständige Anstellung eines Hilfslehrers nötig.

 

1848 erfolgte ein Anbau zur Schaffung eines zweiten Klassenzimmers.

 

1853 wurde Gottfried Eißner, der Vater von Clara Zetkin, in seinem Amt als Lehrer eingeführt. Sein Sohn Artur Eißner, schreibt über seine Eltern folgendes: „…Der Vater, Kirchschullehrer Gottfried Eißner, war ein sehr gutherziger, äußerst geschickter Lehrer, der an den politischen Ereignissen lebhaft teilnahm. …Die Mutter, Josephine Eißner, geb. de Vitale war eigentlich eine recht feurige Demokratin. Sie hat eine rege, soziale Tätigkeit in der Gemeinde entfaltet, gründete einen Frauenverein… Sie führte 1869 das private Mädchenturnen ein, das damals als Ausdruck revolutionärer Gesinnung galt.“

 

Am 5. Juli 1857 wurde in der damaligen Schule, wo auch der Lehrer Gottfried Eißner wohnte, dessen Tochter Clara geboren. Als international anerkannte Revolutionärin trat sie sehr für die Verbesserung des Schulwesens ein. 

 

Bei der wachsenden Zahl der Schüler genügten aber die 2 Räume und 2 Lehrer nicht aus. Deshalb wurde 1888-89 eine neue Kirchschule auf dem Gelände des alten Schulgartens errichtet. (heute Privathaus Donner). Der Unterricht in zwei Gebäuden erwies sich aber auch als ungünstig und deshalb wurde 1905-06 eine neue Schule gebaut. (heute alte Grundschule). Am 08.10.1906 war die feierliche Einweihung der damals neuen Schule.


Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, 1933, mussten viele Lehrer aus politischen und weltanschaulichen Gründen den Schuldienst quittieren. 

 

Mit dem Kriegsende blieben die Schulen geschlossen. Eine Entnazifizierungskommission überprüfte alle Lehrer und viele wurden entlassen und Neulehrer ausgebildet. 
 

Am 01. Oktober 1945 begann auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht wieder der Unterricht. Die Schülerzahl in den Klassen war sehr hoch, da zu den Wiederauer Kindern viele Flüchtlingskinder kamen. 

 

1946 erfolgte eine Schulreform, dabei löste die Einheitsschule die bisherige Standesschule ab. Aus der Wiederauer Volksschule wurde eine Grundschule mit den Klassen 1 bis 4 der Unterstufe und den Klassen 5 bis 8 der Oberstufe mit naturwissenschaftlichem Unterricht und der Fremdsprache Russisch. Daran schlossen sich zwei Mittelschulklassen an, die zur mittleren Reife führten.

 

Bis 1954 hatten oft zwei Klassen zusammen Unterricht in einem Zimmer, zur gleichen Zeit und bei einem Lehrer. 1954 unterrichteten sechs Lehrer an der Schule.

 

Anlässlich des 99. Geburtstages von Clara Zetkin organisierte die Schule 1956 eine Großveranstaltung, zu welcher der Schriftsteller Johannes R. Becher sowie der Minister für Volksbildung Paul Wandel anwesend waren. Sie besichtigten die Schule. Vom Staat wurden darauf hin 11.000 Mark zur Verfügung gestellt. Davon konnten neue Einrichtungen für die Klassenzimmer gekauft werden. In den Kellerräumen wurden die Schulküche sowie der Speiseraum erweitert.

 

Zwischen 1961-63 wurde für rund 250.000 Mark der Schulneubau errichtet. Damit verbesserten sich die Bedingungen wesentlich. 5 Klassenzimmer, einschließlich 1 Fachunterrichtsraums für Chemie und Physik, konnten für den Unterricht neu genutzt werden.

 

Während im Altbau noch 11 Kachelöfen geheizt werden mussten, erhielt der Neubau eine Warmwasserheizungsanlage.


alte Schule

Am 22. Mai 1962 beschloss die Gemeindevertretung von Wiederau, die Schule nach der berühmten Tochter unseres Ortes, Clara Zetkin, zu benennen. Ihr Sohn, Maxim Zetkin, gab dazu seine Einwilligung.

 

In den sechziger Jahren machte es sich auf Grund des wachsenden Verkehrs auf der Hauptstraße erforderlich, den Schuleingang an den ehemaligen Hintereingang zu verlegen. 

 

1964 entstand für alle Schüler die zehnklassige Polytechnische Oberschule (POS). Als zweite Fremdsprache wurde Englisch gelehrt. Die Trennung von Kirche und Staat wurde angeordnet. Das SED-Regime konnte nun diktatorisch Einfluss und Kontrolle auf die Erziehung der Jugend ausüben. Es wurden nach sowjetischen Vorbild Jugendorganisationen gegründet. Nicht alle Schüler wurden aber Mitglied.

 

1976 schlossen sich die Schulen in Wiederau und Königshain auf staatlicher Anweisung zu einer Schule zusammen. Der Unterricht fand somit in drei Gebäuden statt. Die Klassen 1 bis 4 wurden in Königshain unterrichtet und die Klassen 5 bis 10 in den beiden Wiederauer Gebäuden.

 

Am 9. Dezember 1989 erfolgte die Einführung des schulfreien Sonnabends.

 

1990 wurden die Schulen Wiederau und Könighain wieder getrennt. Es blieben nur die Schüler aus Königshain ab der 8. Klasse in Wiederau.

 

1992 trat das neue Sächsische Schulgesetz in Kraft. Der Neubau in Wiederau wird als Außenstelle der Mittelschule Wechselburg genutzt. Unsere 1906 erbaute Schule wird zur Grundschule. 
 

Mit dem Schuljahr 1993/94 wird an Sachsens Schulen der Religions- und Ethikunterricht eingeführt. 

 

Die Grundschule Königshain wird im Sommer 2000 geschlossen. Ab dem Schuljahr 2000/01 wechseln die Lehrer und Schüler an unsere Grundschule.

 

Ab dem Schuljahr 2005/06 gibt es nur noch die Grundschule in Wiederau. Da die Mittelschule Wechselburg schließen musste, fiel auch die Außenstelle in Wiederau weg. In diesem Gebäude werden noch der Werkraum und das Computerkabinett von unserer Grundschule genutzt. 

 

2010 – 2012 erfolgten die komplette Sanierung der jetzigen Grundschule und der feierlichen Einweihung am 10.03.2012 

 

Quellen: Heimatbuch Wiederau, Ausarbeitungen von G. Lehmann